Read Sicherheit, Territorium, Bevölkerung. Geschichte der Gouvernementalität I.: Geschichte der Gouvernementalität I. Vorlesungen am Collège de France 1977/1978 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) by Michel Sennelart Online

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Diese Vorlesungen Michel Foucaults am Coll ge de France stehen am Anfang eines der wirkm chtigsten Konzepte der modernen Sozialwissenschaften und Politischen Philosophie der Gouvernementalit t Foucaults zweib ndige Geschichte der Gouvernementalit t entwickelt diesen Begriff und seine theoretischen Implikationen anhand einer materialreichen Analyse der Genese des modernen Liberalismus und seines Schattens der Biomacht W hrend der erste Band den Akzent auf die Beziehungen zwischen der Regierungskunst, der Normalisierung und der Subjektivierung legt, konzentriert sich Die Geburt der Biopolitik auf den Neoliberalismus und die komplexen Relationen, die er mit dem Staat unterh lt Hinter allen historischen, soziologischen, politischen und konomischen Untersuchungen steht aber das, was f r Foucault das eigentliche Interesse des Philosophen ausmacht die Politik der Wahrheit....

Title : Sicherheit, Territorium, Bevölkerung. Geschichte der Gouvernementalität I.: Geschichte der Gouvernementalität I. Vorlesungen am Collège de France 1977/1978 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
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ISBN : 3518294083
ISBN13 : 978-3518294086
Format Type : E-Book
Language : Deutsch
Publisher : Suhrkamp Verlag Auflage Originalausgabe 30 Oktober 2006
Number of Pages : 600 Seiten
File Size : 671 KB
Status : Available For Download
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Sicherheit, Territorium, Bevölkerung. Geschichte der Gouvernementalität I.: Geschichte der Gouvernementalität I. Vorlesungen am Collège de France 1977/1978 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) Reviews

  • Hans-Uwe Rösner
    2019-04-24 21:57

    Durch Michel Sennelart „Situierung der Vorlesungen“ erfährt der Lesende am Ende des Buches, vor welchem politischen Hintergrund Foucault seine Vorlesungsreihe 1978 hielt und mit welchen politischen Aktivitäten er sie begleitete. Sennelart macht u.a. deutlich, dass sich Foucault angesichts der „Affäre Croissant“ mit seinem Freund Gilles Deleuze nachhaltig überwarf, weil dieser von ihm erwartete, seine Unterschrift unter einen Text zu setzen, in dem Deutschland als ein faschistischer Staat bezeichnet wurde. Möglicherweise sind die damaligen politischen Ereignisse auch ein Grund dafür, dass sich Foucault 1979, also im zweiten Teil seines Diptychons „Geschichte der Gouvernementalität I und II“ ausführlich mit dem „Modell Deutschland“ und dem ordoliberalen Denken der Nachkriegszeit beschäftigte. Sennelart weist auch darauf hin, inwiefern Foucault nach Beendigung der Vorlesungsreihe von 1978 auf seiner Vortragsreise in Japan den Gedanken einer Philosophie als kritische Moderation der Politik stark machte.Foucault ändert während dieser Vorlesungsreihe sein Vokabular, indem er den Begriff der Bio-Macht durch den der „Gouvernementalität“ ersetzt. Wenn er dennoch weiterhin von „Bio-Macht“ spricht, so wird sich seine Verwendung nicht mit dem Begriff „Gouvernementalität“ decken, insofern er damit nur noch eine Interventionstechnik der medizinischen Institutionen, analog zu Absonderungstechniken der Psychiatrie und Disziplinartechniken des Strafsystems verbindet. Anfangs kommt Foucault noch auf die der Vorlesungsreihe unterlegten Begriffe, „Sicherheit, Territorium, Bevölkerung“ zu sprechen. Ein Ereignis, dem sich Foucault in diesem Rahmen besonders widmet, ist der Umgang mit dem „Nahrungsmangel“ im 17. und 18. Jahrhundert. Er beschreibt den Übergang von einer merkantilistischen Politik zu einer Einflussnahme der Physiokraten, die mit der politischen Ökonomie als Wissensbereich ein neues Sicherheitsdispositiv installierten.In der 4. Sitzung nimmt Foucault eine thematische Verschiebung vor. Während es in den ersten drei Sitzungen um die Einsetzung der Serie "Sicherheit-Bevölkerung-Regierung" ging, rollt Foucault nun das Ganze vom Problem der Regierung und des Staates auf. Von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, so Foucault, erschienen Abhandlungen, die sich direkt mit Regierungskunst beschäftigten. Sie tauchten am Kreuzungspunkt zweier gegenläufiger Bewegungen auf: der Krise der Pastoralmacht durch religiöse Zersplitterung und Spaltung und der Entstehung staatlicher Bündelung nach dem Westfälischen Frieden von 1648.Die Frage, um die es Foucault in den weiteren Sitzungen geht, lautet: „Kann man von etwas wie einer ‚Gouvernementalität‘ sprechen, die für den Staat das wäre, was die Absonderungstechniken für die Psychiatrie waren, was die Disziplinartechniken für das Strafsystem waren, was die Biopolitik für die medizinischen Institutionen war?“ (180) Die Verschiebung von der „Bio-Macht“ zur Gouvernementalität“ oder „Regierungskunst“, die Foucault nun vollzieht, resultiert nicht daraus, dass er „Macht“ durch „Regierung“ einfach nur ersetzt. Vielmehr entsteht der neue Begriff „Regierung“ aus der Ausdehnung des methodologischen Rahmens auf ein neues Objekt, nämlich den Staat.Foucault berichtet in der 5. bis 8. Sitzung darüber, wie diese Gouvernementalität, erstens ausgehend von einem „archaischen Muster, nämlich dem der christlichen Pastoral“, zweitens gestützt auf eine diplomatisch-militärische Technik, und drittens dank einer Serie recht besonderer Instrumente wie u.a. der Polizei und der merkantilistischen Politik, entstanden ist, Er schließt die „Geschichten der Hirten, Pastoren und der Pastoral“ in der 8. Sitzung ab und setzt das 18. Jahrhundert als das Ende des pastoralen Zeitalters an, um anschließend „auf das Problem des Gouvernements, der Kunst zu regieren, der Gouvernementalität vom 17. und 18. Jahrhundert an zurückzukommen.“ (239) Gleichwohl geht er davon aus, dass die Pastoralmacht „in ihrer Typologie, ihrer Organisation, in ihrer Funktionsweise tatsächlich etwas ist, von dem wir uns zweifellos noch immer nicht freigemacht haben.“ (219)In der 9. Sitzung geht Foucault „von der Pastoral der Seelen zur politischen Regierung der Menschen“ (331) über. Er skizziert „die Serie der Transformationen“, die den Übergang „von dieser Ökonomie der Seelen zur Regierung der Menschen und der Bevölkerungen“ (331) veranschaulichen und fragt: „Woher kommt der Einsatz, woher die grundlegende Frage am Ende des 16. Jahrhunderts: Was ist die Kunst des Regierens?“ (344) Foucault vertieft in der 10. Sitzung das zuletzt eingeführte Thema „Staatsräson“. Er spricht mit Bezug auf eine bestimmte Anzahl an Texten „darüber […], was man am Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts unter der Staatsräson versteht.“ (369)In der 11. Sitzung kennzeichnet Foucault die Staatsräson nunmehr als „Durchbruch einer ‚gouvernementalen Vernunft‘“ ab dem Ende des 16. Jahrhunderts. Im Zusammenhang mit der Staatsräson meint er: „Der Staat richtet sich nur nach sich selbst, er sucht sein eigenes Gut und hat keinen äußeren Zweck, d.h. er braucht in nichts anderes als sich selbst zu münden. Er muss weder nach dem Heil des Souveräns noch nach dem ewigen Heil der Menschen, noch nach irgendeiner Form der Vollendung oder der Eschatologie streben.“ (421) Der Staatsräson geht es um die Zusammensetzung staatlicher Kräfte nach außen (diplomatisch-militärisches Dispositiv) und innen (bevölkerungsregulierende Verfahren). „All das wird nun der Rohstoff, das Ziel und zugleich das Prinzip des Verständnisses der politischen Vernunft.“ (418)Foucault spricht also von zwei großen Ensembles politischer Techniken, die im Rahmen der Staatsräson eingesetzt werden. „Das eine […] ist ein Ensemble, das aus Verfahrensweisen besteht, die für den Erhalt dessen notwendig und hinreichend sind, was man schon zu jener Zeit das Gleichgewicht Europas, das europäische Gleichgewicht nannte“. (450) Das zweite Ensemble von Techniken, die für die neue Regierungskunst charakteristisch sind, ist die „Polizei“. "Vom 17. Jahrhundert an beginnt man nämlich die Gesamtheit der Mittel ‚Polizei‘ zu nennen, die „die Schaffung einer flexiblen, aber dennoch stabilen und kontrollierbaren Beziehung zwischen der inneren Ordnung des Staates und dem Wachstum seiner Kräfte ermöglicht.“ (451)Foucault nennt auch die Gegenstände, um die sich die Polizei künftig kümmern wird. Foucault spricht hier von „Sorge“, führt also einen Begriff ein, der zentral bei Heidegger Verwendung findet und den Foucault in seinen Vorlesungen der 80er Jahre in den Mittelpunkt seiner Untersuchungen stellen wird. Die Sorge der Polizei richtet sich auf die Zahl der Menschen, die Bedürfnisse des Lebens, das Problem der Gesundheit, das Tätigsein der Menschen und die Sorge um den Verkehr der Waren. Foucault meint nun auch, dass diese Polizei und die Einrichtung dieser Polizei keineswegs von einer gouvernementalen Theorie und Praxis getrennt werden kann, die man allgemein unter die Rubrik des Merkantilismus subsumiert.Einerseits ist Foucault hier sehr nahe bei Marx, andererseits interessiert er sich aber im Unterschied zu Marx weniger für den „Eintritt der menschlichen Existenz in die abstrakte Welt der Ware“. Ihm geht es stattdessen um die „Herausbildung einer Regierungskunst“, die nach dem Prinzip der Staatsräson geordnet ist. Sie ist, wie gesagt, mit einer Politik des Wettbewerbs in Form des europäischen Gleichgewichts wie auch der Suche nach einer Technik für das Wachstum der Kräfte des Staates, durch eine Polizei verbunden, die zentral die Reglementierung des Verhältnisses zwischen der Bevölkerung und ihrer Warenproduktion zum Gegenstand hat.Foucault kehrt nun zu seinem anfänglichen Thema „Nahrungsmangel“ zurück, um an diesem Beispiel im Rahmen staatlicher Gouvernementalität zu verdeutlichen, wie es zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit der Kritik am Merkantilismus zu einer Krise des „Polizeistaates" kommt. Zu diesem Zeitpunkt erfolgt eine „Kritik des Polizeistaats durch die politische Ökonomie“. Laut Foucault sind es die Ökonomen und nicht die Juristen, die darauf aufmerksam machen, dass die Gegebenheiten der Bevölkerung und die Wirtschaftsprozesse natürlichen Prozessen folgen. Die Folge davon ist, dass der Staat zum Manager von Interessen wird, der nur noch regulierend in die Warenproduktion eingreift.Die Funktion des Staats ist es nunmehr, sich regulierend an einem Spiel zu beteiligen, das an sich selbst ein grundlegendes und natürliches Spiel ist, nämlich das der einzelnen Interessen.“ (497) Mit anderen Worten, der Staat ist nunmehr für eine Gesellschaft verantwortlich, eine bürgerliche Gesellschaft, und er soll die Führung dieser bürgerlichen Gesellschaft gewährleisten.“ (502) Vor diesem Hintergrund erscheint nunmehr „der Liberalismus als die den biopolitischen Steuerungsimperativen eigene Rationalitätsform“ (555) am Horizont. In der Vorlesungsreihe von 1979 wird es Foucault in Fortsetzung der Geschichte der Gouvernementalität vorrangig darum gehen, den „Liberalismus als allgemeinen Rahmen der Biopolitik“ (GBP, 43) zu untersuchen.Indem nun der politische Imperativ lautet, weniger zu Regieren, in dem Bestreben, damit eine maximale Wirksamkeit in den Bereichen zu erzielen, mit denen man es zu tun hat, rückt auch der Begriff der Freiheit ins Zentrum staatlicher Gouvernementalität. „Von daher rührt schließlich auch die Tatsache, dass die Freiheit nicht nur als Recht der Individuen, das legitimerweise der Macht entgegensteht, gegenüber den Übergriffen und dem Machtmissbrauch des Souveräns oder der Regierung geltend gemacht wird, sondern die Freiheit ist nun zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Gouvernementalität selbst geworden.“ (506)Am Ende resümiert Foucault seine Vorlesungen, in denen es ihm auch darum ging, einen Staatsbegriff zu entwickeln. Staat ist für ihn keine Entität, sondern eine bunt zusammengewürfelte Wirklichkeit“ (553), die aus unterschiedlichen Regierungstechniken besteht. Er wollte zeigen, „dass es im Ausgang von einer relativ lokalen und relativ mikroskopischen Analyse jener Formen der Macht, die durch das Pastorat gekennzeichnet sind, vollkommen, ohne Paradox oder Widerspruch, möglich war, an die allgemeinen Probleme des Staates anzuknüpfen, und zwar unter der Bedingung, dass man den Staat gerade nicht zu einer transzendenten Wirklichkeit erhebt, deren Geschichte man allein mit Bezug auf sie selbst schreiben könnte. Die Geschichte des Staates soll auf der Grundlage der Praxis der Menschen geschrieben werden können, auf der Grundlage ihres Tuns und der Art und Weise ihres Denkens.“ (513)